Die Geschichte der Revolutionen

Die Bierrevolution 1844

Wir spielen die historischen Gegebenheiten um die 1. Münchner Bierrevolution nach.

Es ist der 1. Mai 1844 in München. Die Stimmung in der Stadt ist aufgeheizt, denn es kursieren Gerüchte, dass die Brauereien den Bierpreis erneut erhöhen wollen. Viele Bürgerinnen, vor allem aus der Arbeiterklasse, können sich das beliebte Feierabendbier schon jetzt kaum noch leisten.
Am Marienplatz versammeln sich zunehmend wütende Menschen-mengen. Anführerinnen wie der Schreinergeselle Hans Brandl und der Bäckermeister Josef Pschorr rufen lautstark zu Protest auf. Sie fordern von den Brauereien und der Stadtverwaltung, den Bierpreis stabil zu halten. Doch die Obrigkeit zeigt sich unnachgiebig.
Schließlich eskaliert die Situation. Wütende Bürger beginnen, Steine und Bierkrüge auf Polizistinnen und Brauereiwagen zu werfen. Es kommt zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen zahlreiche Menschen verletzt werden. Die überforderte Polizei ruft zusätzlich das Militär zur Unterstützung, die sich weigern einzugreifen, weil sie mit den Demonstrierenden sympathisieren. Erst nach stundenlangen Straßenschlachten gelingt es der Polizei, die Menge aufzulösen.
Vier Jahre später, im Mai 1848, ereignen sich in München erneut heftige „Bierkrawalle“. Diesmal steht die ganze Stadt am Rande eines Aufstands, denn viele Bürgerinnen nutzen die Proteste gegen die Bierpreise, um auch ihre allgemeine Unzufriedenheit mit der Monarchie zum Ausdruck zu bringen. König Ludwig I. hatte sich durch seine Liebschaft mit Lola Montez und immer neue Steuern und Regelungen bei der Bevölkerung stark unbeliebt gemacht.
Die damalige Revolution war kurz, aber laut. Unsere wird lauter und regelmäßiger:
Bier muss weiterhin bezahlbar bleiben!

Die Salvatorschlacht 1888

Auch Jahrzehnte später zeigt sich, dass Bier in München eine ernste Angelegenheit bleiben kann.

Es ist der 23. März 1888 am Nockherberg. Beim Salvator-Ausschank herrscht ausgelassene Feststimmung, doch in der Kellerhalle gerät eine zunächst kleine Auseinandersetzung zwischen Soldaten der Bayerischen Armee und Zivilisten außer Kontrolle. Als ein Artillerist seinen Säbel zieht, eskaliert die Situation.

Innerhalb kurzer Zeit wird aus der Rauferei eine Massenschlägerei. Stöcke und Maßkrüge kommen zum Einsatz, zahlreiche Menschen werden verletzt. Die Auseinandersetzungen greifen von der Kellerhalle auf den Saal und schließlich sogar auf den Garten über.

Die Gendarmerie ist der Lage nicht gewachsen. Auch die herbeigerufene Zuchthauswache aus Neudeck kann die Menge nicht unter Kontrolle bringen. Erst als eine 50 Mann starke Einheit der Schweren Reiter eintrifft und mit gezogenen Säbeln in die Halle reitet, gelingt es, die Auseinandersetzungen zu beenden.

Später wird untersucht, wie die Situation derart eskalieren konnte. Ein Grund: Zu Beginn der Ausschreitungen war auf dem gesamten Nockherberg nur ein einziger Gendarmerie-Wachtmeister im Einsatz. Manche sagen allerdings, der wahre Grund für die gereizte Stimmung sei ein anderer gewesen: der gestiegene Salvatorpreis.

Das „Skandaljahr“ 1888 bleibt München noch lange im Gedächtnis.

Denn auch damals galt offenbar schon:
Wer am Bierpreis dreht, muss mit Widerstand rechnen.